Die Kastration der Hündin - Pro und Contra

Einige Besitzer von Hündinen wird sich früher oder später mit Frage nach der Kastration seines Tieres auseinandersetzen. Dabei stellt sich neben der Frage der Notwendigkeit auch die Frage nach dem rechtlichen Aspekt und dem richtigen Zeitpunkt einer möglichen Kastration. 

 

Der Zyklus der Hündin

Mit der Geschlechtsreife des weiblichen Hundes, die ca. zwischen dem 8. und 12. Lebensmonat eintritt, ändert sich auch der Hormonhaushalt. Die Eierstöcke (Ovarien) bilden vermehrt Geschlechtshormone, die den Geschlechtszyklus bestimmen. Diese Hormone haben jedoch auch Einfluss auf das Verhalten, das Wachstum, die Haut und das Fell und beeinflussen sogar die Durchblutung im Körper des Hundes. Während des Hormonanstiegs in den ersten Läufigkeiten des weiblichen Hundes werden auch im Milchdrüsengewebe bestimmte Rezeptoren angelegt, die später eine Entartung zu Tumorzellen begünstigen.

 

Der Geschlechtszyklus verläuft in mehreren Phasen. In den Wochen vor der Läufigkeit stellen sich, meist vom Besitzer unbemerkt, die ersten Anzeichen ein. Die Hündin setzt häufiger als sonst Urin ab (Markieren), sie riecht plötzlich für Rüden interessanter und es kann auch schon zu einer leichten Schwellung der Vulva kommen. Daran schließt sich die Phase der Blutung an, wobei die Hündin kleinere oder größere Blutmengen über die Vagina verliert. Diese Blutung kommt durch den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut zustande, wobei kleinere Gefäße reißen können. Das Sekret wird nach und nach immer klarer und leicht schleimig und sollte in den fruchtbaren Tagen, der so genannten „Stehphase“ völlig durchsichtig sein. In dieser Zeit duldet die Hündin den Deckakt des Rüden und kann so trächtig werden.

 

Nach 14- 21 Tagen ist die Läufigkeit meist zu ende und die Symptome verschwinden nach und nach. Es kommt in den Wochen nach der Läufigkeit zu einem Progesteronanstieg im Blut. Dieser Anstieg des Schwangerschaftshormons verläuft in den meisten Fällen ohne weitere Komplikationen. Manchmal entwickelt sich im Zuge dieser hormonellen Veränderung eine „Scheinträchtigkeit“. Die Symptome variieren von vermehrter Anhänglichkeit und Bemuttern von Spielsachen oder Schuhen bis hin zu Apathie, Inappetenz und einer Anbildung des Gesäuges mit Milchbildung. Zeigt ein Hund nach jeder Läufigkeit die beschriebenen Symptome, so empfiehlt sich eine Kastration.

 

Der richtige Zeitpunkt

Soll Ihre Hündin nun kastriert werden, ist es wichtig einen Zeitpunkt zu wählen, in dem der Geschlechtshormonspiegel der Hündin so niedrig wie möglich ist. Insbesondere das weibliche Geschlechtshormon Östrogen fördert die Neigung zu Blutungen und somit zu Komplikationen während und nach der Operation. Deshalb sollte man in der anöstrischen Phase zwischen zwei Läufigkeiten kastrieren. Konkret heißt das 3 Monate nach erfolgter Hitze.

Die Hundin sollte erst nach der ersten Läufigkeit kastrieren werden. Die Geschlechtsreife wirkt positiv auf die Entwicklung des Charakters des Hundes aus und die Wahrscheinlichkeit an Tumoren des Gesäuges zu erkranken liegt bei unter 1% verglichen mit nicht kastrierten Hündinnen, bei denen das Risiko deutlich höher ist (Katja Trasch 2006).

 

Nachteile der Kastration

Auch die möglichen Komplikationen oder Nachteile der Kastration einer Hündin sollen hier erwähnt werden. Vorweg sollte sich jeder Besitzer bewusst machen, dass es sich um einen operativen Eingriff handelt, bei dem ein gesundes Organ amputiert wird. Streng genommen ist dies laut §6 des Tierschutzgesetzes in Deutschland sogar verboten. Es sollte also eine wirkliche Indikation (Scheinträchtigkeit, vermehrtes Tumorrisiko, Gebärmutterentzündung) vorliegen. Wie bei jedem chirurgischen Eingriff gibt es trotz guter Narkoseüberwachung das Risiko von Narkosezwischenfällen wie Atemstillstand oder Herzkreislaufstillstand, was statistisch gesehen bei ca. einem von tausend Patienten vorkommt. Es kann zu Wundheilungsstörungen kommen, insbesondere wenn die Tiere an ihrer Wunde lecken oder kratzen. Eine Komplikation, die leider manchmal nach einer Kastration vorkommt, ist eine spätere Inkontinenz (Harnträufeln).   Nicht zuletzt muss auch auf die Reduzierung des Stoffwechsels nach der Kastration hingewiesen werden. Das heißt, die meisten Hunde nehmen nach erfolgtem Eingriff wesentlich schneller Gewicht zu als vorher.

 

Vorteile und Nachteile im Überblick

 

Vorteile der Kastration:ƒ

  • Deutliche Verringerung des Risikos von Gesäugetumoren und Vaginaltumorenƒ 
  • Vorbeugung einer Gebärmutterentzündungƒ 
  • Verhinderung von Scheinträchtigkeitƒ 
  • Keine soziale Isolation während der Läufigkeit

Nachteile der Kastration:ƒ

  • Narkoserisikoƒ 
  • Inkontinenzƒ 
  • Gewichtszunahmeƒ 
  • Veränderung des Fells 

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Kastration der Hündin einige Vorteile, aber auch einige nennenswerten Nachteile mit sich bringen kann.

Die Entscheidung eines jeden Tierbesitzers sollte deshalb erst nach reiflicher Überlegung getroffen werden.

 

(Quelle: Dr. Florian Wuchert Tierarztpraxis Düsselpfoten)